Definition
Pikieren bezeichnet das Vereinzeln zu eng stehender Sämlinge in eigene Töpfe oder größere Pflanzgefäße. Der Begriff stammt vom französischen piquer (stechen) und beschreibt, wie der Gärtner mit einem Pikierstab den Sämling vorsichtig aus der Aussaatschale hebt. Pikiert wird, wenn die Pflanze neben den Keimblättern die ersten zwei echten Blätter zeigt.
Warum überhaupt pikieren
Dicht ausgesäte Sämlinge konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe. Sie wachsen lang und dünn (vergeilen), die Wurzeln verfilzen. Beim Pikieren bekommen die Jungpflanzen Platz, frische Erde und tieferes Eingraben. Tomaten und Kohl bilden am eingegrabenen Stängel zusätzliche Wurzeln, die Pflanze wird stabiler. Tiefes Pflanzen ist bei Tomaten der Schlüssel zu kräftigem Wuchs.
Zeitpunkt
Sobald die ersten zwei echten Blätter erscheinen, die sich von den runden Keimblättern unterscheiden. Bei Tomaten nach 14 bis 21 Tagen, bei Paprika nach 21 bis 28 Tagen, bei Salat nach 10 bis 14 Tagen. Zu früh pikieren stresst die schwachen Wurzeln, zu spät führt zu vergeilten Pflanzen und verfilzten Wurzelballen.
Technik Schritt für Schritt
Aussaatschale gut wässern, damit die Erde am Wurzelballen haftet. Mit dem Pikierstab oder einem Bleistift schräg unter den Sämling stechen und ihn vorsichtig anheben. Nie am Stängel ziehen, immer an einem Keimblatt halten. Im neuen Topf (8 bis 10 cm Durchmesser) ein Loch in feuchte Pflanzerde drücken. Sämling so tief einsetzen, dass die Keimblätter knapp über der Erde sitzen (bei Tomaten und Kohl sogar bis zu den ersten echten Blättern). Erde andrücken, angießen.
Nach dem Pikieren
Erste 2 bis 3 Tage etwas schattiger und kühler stellen, damit sich die Pflanze erholt. Danach wieder an den hellsten Platz. Erst nach 7 bis 10 Tagen wieder düngen (Anzuchterde reicht für die ersten zwei Wochen). Ab jetzt sparsamer gießen, sonst faulen die Wurzeln. Vor dem Auspflanzen ins Freiland 7 Tage abhärten.
Häufiger Fehler
Zu früh oder zu spät dran. Zu früh: Wurzeln noch zu schwach, Pflanze geht ein. Zu spät: Wurzeln verfilzt, Pflanze stockt nach dem Umsetzen wochenlang. Zweiter Fehler: am Stängel ziehen. Der Stängel knickt, Pflanze stirbt. Immer an einem Keimblatt halten, das nachwächst auch wenn es bricht.
Häufige Fragen
Wann pikiere ich Tomaten?
Wenn die Pflanze nach Aussaat (Mitte/Ende März) die ersten zwei echten Blätter zeigt, also nach 14 bis 21 Tagen. Tief eingraben bis zu den Keimblättern, der Stängel bildet zusätzliche Wurzeln.
Muss ich jede Sorte pikieren?
Pflanzen mit empfindlichen Pfahlwurzeln (Möhre, Petersilie, Dill, Fenchel) nicht. Diese säst du gleich an den endgültigen Standort. Tomaten, Paprika, Kohl, Salat, Sellerie profitieren stark vom Pikieren.
Welche Erde nach dem Pikieren?
Normale Pflanzerde oder Kräutererde mit etwas Sand. Anzuchterde ist zu nährstoffarm, jetzt soll die Pflanze wachsen. Eine Handvoll Kompost untermischen liefert die ersten Nährstoffe.
Was, wenn der Sämling beim Pikieren abreißt?
Wenn nur ein Keimblatt abbricht, kein Drama. Die Pflanze wächst weiter. Wenn der Stängel selbst knickt, ist die Pflanze meist verloren. Behutsam arbeiten mit dem Pikierstab.
Brauche ich spezielles Werkzeug?
Ein Pikierstab kostet 3 Euro im Gartencenter. Alternativ funktioniert ein Bleistift, ein Schaschlikspieß oder ein Esslöffelstiel. Wichtig ist die schräge Spitze, mit der du unter den Wurzelballen kommst.