Definition

Brennnesseljauche entsteht durch Vergärung frischer Brennnesseln in Wasser. Über 10 bis 14 Tage bauen Mikroorganismen die Pflanze ab. Das Ergebnis ist eine dunkelbraune, übel riechende Flüssigkeit voller Pflanzennährstoffe. Sie wirkt als Dünger (verdünnt) oder als Spritzbrühe gegen Blattläuse.

Inhaltsstoffe

Stickstoff (etwa 0,5 Prozent), Kalium (1 Prozent), Magnesium, Eisen, Kieselsäure, Spurenelemente. Plus Aminosäuren und Pflanzenhormone, die das Wurzelwachstum anregen. Im Vergleich zu Flüssigdüngern aus dem Baumarkt: ähnliche Wirkung, Kosten gleich null. Stärkt zusätzlich die Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten und Schädlinge.

Zubereitung Schritt für Schritt

1 kg frische Brennnesseln (vor der Blüte sammeln, mit Handschuhen) klein schneiden. In ein Kunststoff- oder Holzgefäß geben (kein Metall, korrodiert). 10 Liter Regenwasser drüber, locker abdecken (Luftaustausch nötig). An sonnigen, windigen Platz stellen, weit weg vom Haus oder Nachbar. Täglich umrühren. Nach 5 Tagen schäumt es, nach 10 bis 14 Tagen ist der Schaum weg, die Jauche ist fertig. Abseihen.

Anwendung als Dünger

1 Teil Jauche auf 10 Teile Wasser verdünnen. Bei Starkzehrern wie Tomaten und Kürbis alle 1 bis 2 Wochen 0,5 bis 1 Liter verdünnte Jauche pro Pflanze gießen. Nicht über Blätter spritzen (Verbrennungen). Nicht in der Blütezeit von Tomaten und Paprika anwenden, sonst gibt es viel Blattmasse aber wenig Früchte.

Anwendung gegen Blattläuse

Frische Jauche (nach 1 bis 2 Tagen Ansatz) ist noch nicht stark vergoren. 1 Teil auf 20 Teile Wasser verdünnen. Mit Sprühflasche auf befallene Blätter sprühen, Blattunterseite nicht vergessen. 2 bis 3 Mal im Abstand von 5 Tagen wiederholen. Wirkt durch den unangenehmen Geschmack und durch Kieselsäure, die die Blätter härter macht.

Häufiger Fehler

Pur gießen. Unverdünnte Jauche verbrennt Wurzeln und Blätter sofort. Immer 1:10 verdünnen für Düngung, 1:20 für Blattanwendung. Zweiter Fehler: Sammeln nach der Blüte. Die Samen keimen dann im Beet, Brennnesseln werden zur Plage. Vor der Blüte (Mai bis Juni) ist optimal.

Häufige Fragen

Warum stinkt Brennnesseljauche so?

Schwefelhaltige Verbindungen entstehen bei der anaeroben Gärung. Eine Handvoll Gesteinsmehl im Ansatz reduziert den Geruch. Trotzdem nicht am Hauseingang ansetzen.

Kann ich Jauche aufbewahren?

Ja, in geschlossenen Gefäßen kühl und dunkel bis zu 6 Monate. Vor jeder Anwendung neu verdünnen. Bei längerer Lagerung verliert sie Stickstoff, der Kalium-Anteil bleibt.

Welche Pflanzen mögen keine Brennnesseljauche?

Erbsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte (zu viel Stickstoff hemmt die Knöllchenbakterien). Auch Kräuter wie Salbei und Thymian, die mageren Boden bevorzugen.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Sammeln?

Vor der Blüte im Mai oder Juni. Da hat die Pflanze den höchsten Stickstoffgehalt. Nach der Blüte sinkt der Nährstoffwert deutlich, und du säst dir Brennnesselsamen ins Beet.

Hilft Jauche wirklich gegen Blattläuse?

Bei leichtem Befall ja. Bei starkem Befall reicht sie nicht aus, dann lieber zusätzlich Marienkäferlarven oder Schmierseifen-Spiritus-Lösung (15 g Schmierseife plus 10 ml Spiritus auf 1 Liter Wasser).